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sanctum/THREAT_MODEL.md
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# Threat Model & Sicherheitsarchitektur von Sanctum
Dieses Dokument beschreibt das Bedrohungsmodell, die Sicherheitsannahmen und die Schutzmechanismen von **Sanctum v0.8.0** im reinen Userland-Betrieb.
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## 1. Sicherheitsziele (Security Objectives)
1. **Vertraulichkeit & Integrität ruhender Daten (Data at Rest)**:
Containerdaten dürfen ohne Kenntnis des Master-Passworts oder des 24-Wort BIP-39 Notfallschlüssels weder entschlüsselt noch unbemerkt manipuliert oder wiederholt werden (Replay Protection).
2. **Reine Userland-Ausführung ohne Kernel-Treiber**:
Vermeidung von Angriffsflächen im Betriebssystem-Kernel (kein Dokan, kein WinFsp, kein unsignierter Treiber). Das gemountete Dateisystem läuft vollständig im Benutzerkontext.
3. **Schutz des Session-Tokens im lokalen Benutzerkontext**:
Das dynamische Session-Token für den lokalen WebDAV-Endpunkt darf weder über Prozesslisten (`argv`), Dateipfade, URL-Query-Parameter noch über Netzwerkinterfaces lecken.
4. **Schutz vor forensischen Spuren (OpSec & Anti-Leak)**:
Verhinderung von Betriebssystem-Artefakten (`Thumbs.db`, `desktop.ini`, ShellBags, NTFS Alternate Data Streams, Swap/Pagefile-Auslagerung).
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## 2. Bedrohungsmodell & Angreiferprofile
### 2.1 Im Fokus (In Scope)
| Angreifer / Bedrohung | Beschreibung | Sanctum-Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| **Kalter Datenträger-Angriff** | Angreifer hat physischen oder dateibasierten Zugriff auf die `.sanctum`-Datei auf USB-Stick, SSD oder Cloud-Storage. | Argon2id KDF (256 MiB, t=4, p=4), AES-256-GCM mit eindeutiger Chunk-Generation AAD, kanonische HMAC-SHA256 Metadaten-Authentifizierung (Format V3). |
| **Böswillige Manipulation / Bitrot** | Gezieltes Verändern von Metadaten oder Chunks im Speicher. | AEAD-Tags auf allen Datenblöcken; `sanctum verify` erkennt jede Modifikation; Schreib- und Leseoperationen verwerfen manipulierte Blöcke sofort (`Fail-Closed`). |
| **Replay- & Chunk-Vertauschungsangriffe** | Vertauschen von Chunks zwischen Dateien oder Einspielen alter Versionen. | Kryptografische Bindung aller Chunks an `(node_id, chunk_index, generation)` in den AEAD Additional Authenticated Data (AAD). |
| **Lokale Benutzerisolation** | Mehrbenutzersysteme: Andere Standardbenutzer auf demselben Rechner. | Windows- und Unix-Dateirechte; TCP-Bind ausschließlich an Loopback `127.0.0.1`; dynamisches 128-Bit Session-Token. |
| **DNS-Rebinding & Browser-Angriffe** | Eine im Browser des Nutzers laufende bösartige Website versucht, über DNS-Rebinding auf `http://localhost:<port>` zuzugreifen. | Strikte Fail-Closed Validierung des `Host`-Headers (`127.0.0.1`, `localhost`, `[::1]`). Abweisung aller externen Hostnamen (RT-02). |
| **Argv- & Prozess-Scraping** | Andere Prozesse des gleichen Nutzers oder Monitoring-Tools lesen die Prozess-Kommandozeile aus. | In-Process Netzlaufwerk-Verbindung via `WNetAddConnection2W` (Windows) ohne `net use`-Subprozess. Token wird niemals über `argv` übergeben. |
| **URL- & Proxy-Logging (CWE-598)** | Protokollierung von HTTP-Anfragen in lokalen Logs oder WebDAV-Clients. | Strikte Abweisung von Session-Tokens in URL-Pfad oder Query-String (`403 Forbidden`). Tokens dürfen ausschließlich im `Authorization`- oder `X-Sanctum-Token`-Header übertragen werden (SA-05). |
| **Timing Side-Channel Angriffe** | Messung von Antwortzeiten beim Token-Vergleich. | Strikter Constant-Time Vergleich (`subtle::ConstantTimeEq`) für alle Authentifizierungsprüfungen (SA-06). |
| **RAM-Dump & Pagefile-Forensik** | Windows lagert Arbeitsspeicher in `pagefile.sys` oder `swapfile.sys` aus. | Verriegelung der Schlüssel im physischen RAM via `VirtualLock` (Windows) bzw. `mlock` (Unix) mit RAII-Lebenszeitgarantie (`MemoryLockGuard`, V-03). Sicheres Überschreiben beim Beenden (`zeroize::Zeroizing`). |
| **Slowloris DoS auf Loopback** | Ressourcenerschöpfung durch offengehaltene Sockets. | Beschränkung auf max. 64 gleichzeitige Verbindungen (`MAX_CONCURRENT_DAV_CONNECTIONS`) und 15s Header-Read-Timeout (`HTTP_HEADER_READ_TIMEOUT`). |
| **Begleitdateien-Forensik (-wal/-shm)** | Angreifer analysiert temporäre SQLite-Dateien während oder nach dem Mount. | Sämtliche Daten werden vor Übergabe an SQLite verschlüsselt; WAL/SHM enthalten ausschließlich Ciphertext; TRUNCATE-Checkpointing und Bereinigung beim Aushängen (Z-03). |
| **Nötigung / Schulterblick** | Zwang zur Passwortherausgabe. | Alibi-Carrier (Hidden Vault Modell A) mit steganografisch verstecktem zweiten Tresor und unabhängigen Schlüsseln. |
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### 2.2 Außerhalb des Fokus (Out of Scope / Annahmen)
- **Vollständig kompromittierter Host**: Ein Angreifer mit Kernel-Rootkit, Ring-0-Treiberrechten oder administrativem Keylogger kontrolliert das Gesamtsystem. In diesem Fall kann keine Userland-Anwendung Sicherheit garantieren.
- **Direkte Speicherinjektion unter demselben Benutzerkonto**: Wenn Malware unter demselben Benutzerkonto mit denselben Rechten läuft und `ReadProcessMemory` / `OpenProcess` ausführt, greift das Betriebssystem-Sicherheitsmodell nicht. Sanctum empfiehlt getrennte Benutzerkonten und die Aktivierung von Windows Defender Exploit Protection.
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## 3. Session-Token Bedrohungsmodell im Detail
### 3.1 Lebenszyklus und Generierung
- Für jede Mount-Sitzung wird ein **frisches 128-Bit kryptografisches Zufallstoken** via `rand::rngs::OsRng` (CryptGenRandom bzw. `getrandom`) generiert.
- Das Token existiert ausschließlich im flüchtigen Speicher des Sanctum-Prozesses und wird nach dem Aushängen sicher aus dem RAM genullt.
### 3.2 Keine Befehlszeilen-Leaks
Unter Windows wird das WebDAV-Netzlaufwerk nicht über einen externen Aufruf wie `net use Z: http://127.0.0.1:8443 /user:...` eingebunden, sondern über den direkten Win32-API-Aufruf:
```c
WNetAddConnection2W(&net_resource, password, username, CONNECT_TEMPORARY)
```
Dadurch tauchen weder das Token noch die Zugangsdaten in der Windows-Prozesstabelle (`Get-Process`, Task-Manager, Sysinternals Process Explorer) auf.
### 3.3 Header-basierte Authentifizierung (SA-05 & SA-06)
- **Erlaubt**:
- `Authorization: Basic <base64(sanctum:token)>`
- `X-Sanctum-Token: <token>`
- **Streng verboten**: Token im URI-Pfad (`http://127.0.0.1:8443/<token>/...`) oder im Query-String (`?token=<token>`). Werden solche Anfragen empfangen, bricht Sanctum die Verarbeitung sofort mit HTTP `403 Forbidden` ab. Dies verhindert, dass Tokens in Referrer-Headern, Browser-Verläufen oder WebDAV-Caches protokolliert werden.
- Alle Vergleiche erfolgen in konstanter Zeit (`ConstantTimeEq`), sodass Angreifer keine Rückschlüsse auf Token-Präfixe über Laufzeitunterschiede ziehen können.
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## 4. Speicher- und Prozessisolation
1. **VirtualLock & mlock RAII (`MemoryLockGuard`)**:
Der 256-Bit Data Encryption Key (DEK) wird sofort nach der Entschlüsselung im RAM mit `VirtualLock` (Windows) bzw. `mlock` (Linux) verriegelt. Dies garantiert, dass der Schlüssel zu keinem Zeitpunkt vom Windows Memory Manager in die unverschlüsselte Auslagerungsdatei (`pagefile.sys` / `swapfile.sys`) ausgelagert wird.
Durch die Kapselung in `Arc<MemoryLockGuard>` bleibt dieser Schutz auch bei parallelen WebDAV-Anfragen erhalten und wird erst aufgehoben, wenn die letzte Referenz freigegeben wird (V-03).
2. **Zeroizing**:
Alle Schlüsselpuffer (`KEK`, `DEK`, KDF-Zwischenergebnisse) implementieren `zeroize::ZeroizeOnDrop` und werden beim Verlassen des Gültigkeitsbereichs mit Nullen überschrieben.
3. **Session-Lock & Inactivity Shield**:
Sanctum lauscht über `WTSRegisterSessionNotification` auf Sperr-Events (`Win + L`) und Inaktivitäts-Timeouts. Beim Sperren wird das Laufwerk unverzüglich getrennt, alle Caches geleert, WAL-Checkpoints geschrieben und die Schlüssel zerstört.
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## 5. Dateisystem-Forensik & SQLite WAL/SHM Begleitdateien (Z-03)
### 5.1 Funktionsweise & Ciphertext-Garantie
Während ein Sanctum-Container geöffnet oder aktiv eingebunden ist, nutzt die zugrundeliegende SQLite-Engine den Write-Ahead Logging (WAL) Modus (`PRAGMA journal_mode = WAL`). Dadurch entstehen temporär zwei Begleitdateien im selben Verzeichnis wie der Container:
- `<container>.sanctum-wal` (Write-Ahead Log für Transaktionsdaten)
- `<container>.sanctum-shm` (Shared-Memory-Index für parallele Lese- und Schreibzugriffe)
**Kryptografische Sicherheit**:
Alle Nutzdaten (Chunks) und Inode-Metadaten (Dateinamen) werden **vor** der Übergabe an SQLite im Sanctum-Userland via AES-256-GCM verschlüsselt. Die SQLite-Engine verarbeitet und speichert ausschließlich hochgradig ununterscheidbare Ciphertexte, Nonces, Authentifizierungs-Tags und HMAC-Prüfsummen.
- Zu **keinem Zeitpunkt** gelangen Klartextdaten oder kryptografische Schlüssel (KEK, DEK) in die `-wal`- oder `-shm`-Dateien.
- Selbst bei forensischer Extraktion der `-wal`- und `-shm`-Dateien sieht ein Angreifer ausschließlich unknackbares Zufallsrauschen ohne Entschlüsselungsmöglichkeit.
### 5.2 Sauberes Beenden & Checkpointing
Beim regulären Beenden (`sanctum unmount`, Ctrl+C, Inaktivitäts-Timeout oder Windows-Sitzungssperre) führt Sanctum automatisch:
1. Einen vollständigen WAL-Checkpoint durch (`PRAGMA wal_checkpoint(TRUNCATE)`), der alle ausstehenden Transaktionen in die `.sanctum`-Hauptdatei überführt und die WAL-Datei auf 0 Bytes kürzt.
2. Das Schließen der Datenbankverbindung durch, woraufhin SQLite die `-wal`- und `-shm`-Dateien vom Dateisystem entfernt.
3. Ein explizites Bereinigungs-Fallback aus (`mount.rs`), das verbleibende Begleitdateien sicher vom Host-Dateisystem löscht.
### 5.3 Abrupter Systemabsturz & OpSec-Überlegungen
Wird der Rechner abrupt stromlos gemacht (`Hard Reset`), stürzt das Betriebssystem ab oder wird der Prozess via `SIGKILL` / Task-Manager beendet, verbleiben `<container>.sanctum-wal` und `-shm` möglicherweise auf dem Datenträger.
- **Datenintegrität**: Beim nächsten Öffnen des Containers führt SQLite automatisch ein WAL-Recovery durch, wodurch keine Daten verloren gehen und die Metadaten-Authentifizierung (K-01) intakt bleibt.
- **Forensische Sichtbarkeit**: Ein Angreifer kann aus der Existenz und Dateigröße der `-wal`-Datei ablesen, dass vor dem Absturz Schreiboperationen stattgefunden haben und wie viele Bytes modifiziert wurden.
- **Flash-Wear-Leveling**: Auf SSDs/NVMe-Speichern können gelöschte Dateisystem-Sektoren bis zur TRIM-Bereinigung physisch im Flash-Speicher existieren. Für maximale OpSec empfiehlt Sanctum die Ablage von Containern auf vollverschlüsselten Host-Laufwerken (BitLocker / LUKS) oder RAM-Disks.